Ein MBA in den USA
Richard Debrot, rdebrot1997@alum.kellogg.nwu.edu
2. Februar 1998
Diese Webpage ist gerichtet an deutschsprechende Studenten und Absolventen von hoeheren Fachschulen und Universitaeten in Europa, die nach Weiterbildungsmoeglichkeiten in den Vereinigten Staaten suchen. Die Konzentration liegt dabei beim MBA, dem Master of Business Administration und soll dem Interessenten einen moeglichen Weg dazu zeigen, bei mindestens einer der Top 10 oder Top 20 Business Schulen aufgenommen zu werden. Dazu moechte ich Tips mitgeben und auch individuelle Beratung anbieten.
Numerus Clausus
Grundsaetzlich musst gesagt werden, dass die
Aufnahmechancen bei den besten Schulen bei etwa 10 - 15 % liegen.
Klassenanteil der nicht-Amerikanischen Studenten ist bei etwa 15 - 25 %. Die
Klassenbestaende pro Jahr sind je nach Schule zwischen 150 (Tuck/Dartmouth) und
700 (Wharton/University of Pennsilvania). Sehr gute Sprachkenntinsse in Englisch
sind selbstverstaendlich. Im folgenden beziehe ich mich bei den ueber 600
verschiedenen MBA-Schulen in den USA auf die Top 10 oder Top 20. Weiter hinten
gelistete Schulen werden von nicht-Amerikanern weniger beruecksichtig und finden
auch international kaum Anerkennung.
Akademische Voraussetzungen
Die meisten Schulen verlangen einen
4-jaehrigen Universitaets- oder equivalenten abschluss nach den vier Jahren
Abitur oder Matura. Ein solcher Uni-Abschluss gilt bereits als Master in den
USA. Im Vergleich dazu besucht der Amerikaner/in im Alter von 18 - 22 Jahren das
College (Bachelordegree) in einer spezifischen Fachrichtung und haengt daran ein
2-4 jaehriges Masterstudium an. Fuer die Amerikaner ist College Voraussetzung.
Europaeische Fachhochschulen und Hoehere Lehranstalten, welche 3 Jahre dauern,
sind an Kalifornischen MBA-Schulen nicht zugelassen, andere Schulen akzeptieren
dies wenn Berufserfahrung oder weitere Ausbildungen als Kompensation geltend
gemacht werden koennen.
Berufserfahrung
Das ist nicht zwingend festgelegt, Statistiken
zeigen aber, dass von internationalen Studenten mindestens 3 Jahre verlangt
werden, auch amerikanische Studenten haben mindestens 2 Jahre vorzuweisen. Nur
sehr selten wird ein Amerikaner/in direkt nach dem Bachelor zugelassen. Der
Gesamtdurchschnitt an Berufserfahrung bei Kellogg liegt bei 4.8 Jahren, womit
das Durchschnittsalter bei Studienbeginn 27 Jahren ist. Der Beruf selbst muss in
keiner Art spezifisch sein. Einige ausgewählte Beispiele meiner Mitstudenten
sind: Peace Corp und Rot Kreuz Mitarbeiter, Investement Banker, Consultants,
Doktoren, Kampfpiloten, Presseberater des US Präsidenten, Firmendirektoren,
Anwälte, U-boot Kommandant, CIA Mitarbeiter und etliche führen bereits ihre
eigene Firma oder sind Teilhaber. Viele, wie auch ich, waren vor dem MBA
Angestellte im mittleren Kader, alle weisen Fuehrungs- und Teamerfahrung vor.
Tests
Alle internationalen Studenten mit Ausnahme der Enlisch
Muttersprachigen muessen den TOEFL und alle Studenten, auch die Amerikaner,
muessen den GMAT absolvieren. Harvard verzichtet zwar offiziell auf den GMAT, es
ist aber trotzdem vorteilhaft, ein gutes Pruefungsresultat zu vorweisen zu
koennen..
Der TOEFL (Test of English as Foreign Language) ist ein Multiple Choice Test welcher Grammatik, Verstaendnis (auch verbal, ab Tonband) tested. Akzeptable Resultate liegen gut ueber 600 Punkte obwohl bei manchen Schulen kein zwingendes Minimum besteht. Einige setzen ein Limit bei 610, Harvard liegt bei 620 Punkten. Buchhandlungen verkaufen diverse Vorbereitungsbuecher, welche komplette Test enthalten, ebenso koennen beim Testinstitut selbst alte Tests verlangt werden. Der Test wird in jedem Land an ausgewaehlten Schulen und Daten (auch in den USA) mehrmals jaehrlich durchgefuehrt. Es ist empfehlenswert, sich zwei bis drei Monate im Voraus anzumelden. Als guter Englischstudent sollte dieser Test keine grossen Probleme verursachen.
Der GMAT (Graduate Management Admissions Test) ist ebenfalls ein Multiple Choice Test, seit 1995 mit zusaetzlich zwei 30 minuetigen Aufsaetzen. Der Test beinhaltet Grammatik, Sprachverstaendnis, logisches Denken, Folgerungen schliessen koennen, Algebra, Geometrie und Lesetexte mit Fragen. Alles schriftlich. Internationale Studenten sollten mindestens 600 Punkte erreichen, der Gesamtschnitt der besten Schulen liegt bei etwa 630 - 650 Punkten. Auch hier werden diverse Test und Lernmethodikbuecher angeboten, es gibt auch Lernsoftware. Dieser Test wird in allen Laendern an ausgewaehlten Schulen und Daten mehrmals jaehrlich durchgefuehrt. Genuegend fruehes Anmelden ist absolut notwendig, die Plaetze sind limitiert und oft bestehen Wartelisten. Neurdings kann der Test auch on-line oder mit Programmdiskette absolviert werden. Eingehende Vorbereitung ist absolut notwendig.
Extracurricular Activities
Das ist etwas, was bei Europaern
weniger bekannt ist. Die Amerikaner verstehen dabei alle organisierten
Taetigkeiten ausserhalb des akademischen Zirkels. Das kann anfangen in jungen
Jahren zum Beispiel bei den Pfadfindern, Kirchenservice, Service in der lokalen
Gemeinde oder Stadt, Mithilfe in Sozialen Aemtern, Pflegestellen und offiziellen
Projekten, Fundraising (Geld sammeln fuer oeffentliche Zwecke), Aushilfe bei
Lehrern und Hilfeleistung fuer juengere Schueler usw. Diese Aktivitaeten sollten
alle freiwillig geleisted werden und leitende Posititonen mit
Organisationsnotwendigkeit verkaufen sich besser als der uebliche Mitreiter.
Ebenso koennen auch Mitgliedschaften in Berufsverbaenden und aktive Funktionen
gelisted werden. Fachpublikation sollten auch erwaehnt werden.
Hobbies
Hier kann alles gelisted werden, was mit einer bestimmten
Regelmaessigkeit gemacht wurde. Gerne gesehen werden natuerlich
Mannschaftssportarten, welche Rolle man spielte, wie den Teamgeist gefoerdert
hat und was man in seiner Staerkeklasse erreicht hat. Auch Einzelsportarten oder
spezielle Ergebnisse sind auch zu nennen. Ein Mexikaner zum Beispiel hat in der
Fussball-Landesauswahl zur WM-qualifikation gespielt und ein Indischer Kollege
war Juniorenlandesmeister im Tennis und hat sich damit fuer Wimbeldon
qualifiziert. Tauch-, Kletter- und Segelfluginstruktor sind weitere Beispiele an
Kellogg. Ebenso koennen soziale Mithilfe, siehe extracurricular activities,
aufgefuhrt werden. Diese Liste kann endlos sein, neben Fuehrungseigenschaften
und Konfliktmanagement wird auch nach Kreativitaet und guten Individualisten,
abseits des normalen Weges, gesucht. In jedem Fall muss man solide hinter der
geamachten Sache stehen und sich auch kritischen Fragen dazu stellen koennen.
Finanzielles
Tuition (Schulgeld) liegt pro Jahr bei 20 - 25'000
Dollar, fuer Room and Board (Wohnen ect) muss nochmals mit etwa 10'000 Dollar
pro Jahr gerechnet werden. Mit Schulbuechern, Rumreisen, Spass haben usw. kommen
die Zwei Jahre auf etwa 80'000 - 100'000 Dollar zu stehen. Zum einen verlangt
die Universitaet einen Liquiditaetsnachweis, fuer den Visumantrag, der zusammen
mit der Universitaet gemacht wird im Falle der Akzeptanz, wird dies dann noch
einmal gefordert und der Mindestbetrag fuer die erste Studienhaelfte kommt sogar
auf das Visum.
Stipendien
Das ist ein Dilemma. Private Stipendienfonds verlangen
einen Nachweis, dass man bei einer Schule aufgenommen wurde und wer bei der
Anmeldung nicht genuegend Geld in der Tasche hat, der kann keinen
Liquiditaetsnachweis beilegen um akzeptiert zu werden. Aehnlich ist das bei
Staatlichen Stipendienfonds, dazu kommt dass Schulen im Ausland weniger
akzeptiert werden fuer eine finanzielle Unterstuetzung. Von den Amerikanischen
Unis kriegen die internationalen Studenten kaum Unterstuetzung, ausser diese
MBA-programme haben ein Joint-programm mit einer Deutschsprachigen Uni, wobei
man dann bei dieser Deutschsprachigen Uni anklopfen koennte. Ich kenne einen
solchen Fall der Simon School of Business, University of Rochester, wo einem
Schweizer 50 % der Tuition erlassen wurde. Es kann auch die eigene Firma um
Unterstuetzung angefragt werden, diese wird dann aber bestimmt nur mit einer
laengeren Verpflichtung moeglich. Es gibt auch etwas weniger teuere Schulen wie
die Darden Business School, University of Virginia oder Texas University in
Austin. Erstere wird nun aber sicher auch bald sehr teuer werden, nachdem diese
im Ranking einen Riesensprung gemacht haben. Zinsfreie oder zinsguenstige
Ausbildungskredite sind bei Banken oder bei Regierungsfonds erhaeltlich, oft ist
dort aber auch wieder das Dilemma, dass diese erst einen Nachweis der Schule
haben wollen, dass man aufgenommen wurde.
Wer genuegend Reserven hat muss
sich zwingend Gedanken machen zur Wechselkursentwicklung ueber die folgenden
zwei Jahre und eventuell Dollarterminoptionen kaufen oder gleich alles in Europa
in Dollar wechseln. Mit dem Dollaranstieg seit 1995 habe ich in meinem Falle 30
% weniger bezahlt als jemand, der heute, 1997 beginnt.
Auswahl der Schule
Jede Schule hat ihre eigenen Schwerpunkte die
einem persoenlich mehr oder weniger liegen. Die Schwerpunkte sind meistens
akademische Richtungen wie Finanz, Buchhaltung, Management Strategie, Marketing
ect. Das ist eine sehr individuelle Sache und man sollte erst mal sich selber
genau kennen und dann dieses Profil mit jenem der Schule und den dortigen
Studenten vergleichen. Ebenso kann die geographische Umgebung in den USA, die
Naehe zu einer grossen Stadt, das Klima und vieles weitere in Betracht gezogen
werden. Es ist wichtig, die Kultur der Schule zu verstehen, zu akzeptieren und
zu wissen, wo und wie man einen positiven Beitrag zur Studentengemeinschaft
leisten kann. Dieser sogenannte Fit (das gegenseitige Passen) wird von vielen
unterschaetzt und zeigt sich im Bewerberinterview sehr deutlich. Es empfielt
sich auch, sich bei mehr als bloss einer Schule zu bewerben, wobei aber die
Kultur doch aehnlich sein sollte.
Anmeldedaten
Jede Schule hat etwa 3 bis 4 Anmeldeschlussdaten pro
Jahrgang welche zwischen November und April liegen fuer eine Aufnahme im Herbst
desselben Jahres. Typischerweise treffen die meisten Anmeldungen auf den
letztmoeglichen Termin ein, was die Aufnahmechancen verringert. Angemeldungen
werden schriftlich, per Diskette oder on-line gemacht.
Interviews
Kellogg ist noch immer die einzige Schule, wo ein
Interview obligatorisch ist. Dies muss nicht zwingend auf dem Campus gemacht
werden. Das kann auch bei einem Alumn (ein Absolvent) der in der Naehe wohnt und
im Admissions Committee ist, gemacht werden. Andere Schulen bieten diesen
Service auch an. Praktisch alle Bewerben gehen bei allen Schulen zu Interviews,
auch wenn es nicht verlangt wird. Einmal erhoeht das die Aufnahmechancen
gewaltig, da man sich nicht nur auf dem Papier praesentiert, dazu wird ein
Schulbesuch auch hoch angerechnet da man zeigt, wieviel Muehe man sich gibt und
wie wichtig es einem ist, die Schule mit Kultur und Umgebung mal zu sehen.
Schliesslich wird man dann zwei Jahre seines Lebens dort verbringen. Ebenso
sollte das Interview in den Essays der Anmeldungen erwaehnt werden, es eignet
sich bestens um den eigenen Fall solide aufzubauen. Ich persoenlich bin auch im
Aufnahmekommitee und fuehre Interviews durch fuer Bewerber aus der Umgebung
Philadelphia und in der Schweiz, wenn ich ab und zu mal dort bin.
Version: Feb 2, 1998 return to homepage
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